Die Hochsaison legt Schwächen in der Einsatzplanung offen, die schon lange vorhanden waren. Wir zeigen fünf typische Engpässe, warum das aktuelle Arbeitsmarkt Umfeld in Deutschland sie verschärft und was Sie konkret dagegen tun können.

manual scheduling is making mistakes

Die Einsatzplanung in der Hochsaison gerät fast überall nach dem gleichen Muster aus dem Gleichgewicht. Dienstpläne werden kurzfristig angepasst, Mehrarbeit wird zur stillschweigenden Regel und Führungskräfte verbringen ihre Zeit mit dem Schliessen von Personallücken statt mit der Steuerung des Betriebs. Gerade in Deutschland wird das oft als unvermeidbarer Teil der Hochsaison hingenommen.

Dabei liegen die Ursachen meist tiefer. Diese Probleme entstehen selten erst durch Nachfragespitzen, sondern sind häufig das Ergebnis struktureller Entscheidungen in der Personaleinsatzplanung. Die Hochsaison macht sie lediglich sichtbar. Wer diese Muster früh erkennt, kann gegensteuern, bevor steigende Nachfrage, Kosten und Ausfälle sie verschärfen.

Und aktuell verschärft das externe Umfeld die Situation zusätzlich

Unternehmen in Deutschland starten mit vergleichsweise hohen Fixkosten in jede Hochphase. Neben dem Bruttolohn tragen Arbeitgeber im Durchschnitt rund zwanzig bis zweiundzwanzig Prozent an gesetzlichen Lohnnebenkosten, vor allem für Renten Kranken Pflege und Arbeitslosenversicherung [1][2].

Gleichzeitig haben die Arbeitskosten in Deutschland Ende 2025 historische Höchststände erreicht. Sowohl die Deutsche Bundesbank als auch Eurostat zeigen eine anhaltende Dynamik bei Löhnen und nicht lohnbezogenen Kosten [3][4].

Zusätzlich sind krankheitsbedingte Fehlzeiten stark angestiegen. Beschäftigte in Deutschland waren in den Jahren 2024 und 2025 im Schnitt zwischen siebzehn und neunzehn Arbeitstage arbeitsunfähig gemeldet [5][6].

Keine dieser Entwicklungen macht gute Einsatzplanung unmöglich. Sie erhöht jedoch spürbar die Kosten und Risiken falscher Planungsentscheidungen.

1. Flexibel auf dem Papier, teuer im Alltag

Teilzeitmodelle sowie Mini und Midi Jobs gelten häufig als flexible Reserve. In der Praxis hat sich diese Flexibilität jedoch deutlich verteuert. Steigende Mindestlöhne sowie stabile bis wachsende Arbeitgeber Sozialabgaben erhöhen die Kosten kurzfristiger Einsätze [1][3].

Viele Standorte reagieren mit sehr schlanken Grundplänen und hoffen, Ausfälle kurzfristig kompensieren zu können. Dies führt jedoch oft zu teurer Mehrarbeit oder externem Personaleinsatz. Nachhaltiger ist es, Dienstpläne früher zu veröffentlichen, gezielt kleine Flexpools für Spitzenzeiten einzuplanen und verbindliche Vertretungsregeln für kurzfristige Ausfälle festzulegen.

2. Weniger offene Stellen bedeuten nicht weniger Planungsprobleme

Ein abkühlender Arbeitsmarkt löst strukturelle Planungsprobleme nicht automatisch. Zwar ist die Gesamtzahl der gemeldeten offenen Stellen zuletzt gesunken, gleichzeitig konzentrieren sich viele Vakanzen auf sogenannte Engpassberufe. Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit entfällt nahezu jede zweite offene Stelle auf Berufe mit erhöhtem Qualifikationsbedarf [7].

Untersuchungen von KfW und ifo zeigen zudem, dass der Fachkräftemangel trotz schwächerer Konjunktur strukturell bestehen bleibt. Tätigkeiten werden technischer und spezialisierter, während das Arbeitskräfteangebot dem demografischen Wandel unterliegt [8].

Eine erfolgreiche Einsatzplanung muss daher Fähigkeiten und Qualifikationen systematisch berücksichtigen und darf sich nicht allein auf verfügbare Kopfzahlen stützen.

3. Der Rahmen der Planung verändert sich ständig

Einsatzplanung funktioniert nur dann zuverlässig, wenn sie sich kontinuierlich an operative Veränderungen anpasst. Studien der OECD zeigen, dass strukturelle Faktoren wie demografischer Wandel Digitalisierung und Produktivitätsdruck Geschäftsmodelle und Tätigkeitsprofile in Deutschland nachhaltig verändern [9].

In der Hochsaison planen viele Teams rund um operative Risiken, die selten offen reflektiert werden. Dazu gehören schwankende Durchsatzmengen veränderte Anlieferzeiten oder erhöhte technische Abhängigkeiten. Ein kurzer wöchentlicher Abgleich zu Volumenannahmen Zeitfenstern und Personalausfällen ermöglicht rechtzeitige Anpassungen, bevor die Tagesplanung kippt.

4. Vollständig besetzt, aber falsch qualifiziert

Ein formal vollständiger Dienstplan kann erhebliche Risiken bergen, wenn entscheidende Qualifikationen fehlen. Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass Fachkräftemangel weiterhin ein zentraler Engpass in vielen technischen und spezialisierten Berufsbildern bleibt [7].

Wenn Nachfrage schwankt und Spezialwissen auf wenige Personen verteilt ist, kann ein einzelner Ausfall ganze Prozesse zum Stillstand bringen. Eine einfache Qualifikationsmatrix pro Schicht, die kritische Einzelabhängigkeiten sichtbar macht, reduziert dieses Risiko deutlich.

5. Fehlzeiten sind ein Planungsproblem, kein reines HR Thema

Hohe Fehlzeiten sind längst keine Randerscheinung mehr. Krankenkassen berichten von dauerhaft erhöhten Krankenständen, verursacht durch Atemwegserkrankungen körperliche Belastungen und psychische Erkrankungen [5][6].

In Kombination mit steigenden Arbeitgeberkosten wird ungeplante Vertretung schnell zur wöchentlichen Belastung für operative Führungskräfte. Statt pauschale Fehlzeitenquoten anzusetzen, ist es sinnvoller, Abwesenheiten rollenspezifisch zu berücksichtigen und auf Basis eigener Verlaufsdaten realistisch einzuplanen.

Mehr wissen?
Besuchen Sie unsere Ressourcenseite und entdecken Sie praxisnahe Werkzeuge für eine vorausschauende Personaleinsatzplanung, mit der Sie der Nachfrage einen Schritt voraus bleiben.

Quellen

[1] Ginitalent (2025). Ultimate Guide to Employer Costs in Germany.
[2] firma.de (2025). Lohnnebenkosten in Deutschland.
[3] Deutsche Bundesbank (2025). Arbeitskostenindex.
[4] Eurostat (2025). Annual Increase in Labour Costs in the Euro Area.
[5] DAK Gesundheit (2025). Fehlzeiten Analyse Deutschland.
[6] AOK (2025). Fehlzeiten Report.
[7] Bundesagentur für Arbeit (2025). Fachkräfteengpassanalyse.
[8] KfW Research / ifo Institut (2025). Fachkräftebarometer Q4 2025.
[9] OECD (2025). Economic Survey Germany.

Written by: Isabelle Fassin
International Marketeer