Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich im September 2026 stabilisiert, aber nicht erholt. Das ifo Beschäftigungsbarometer stieg leicht auf 95,1 Punkte, die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers sank auf 99,3.
Unternehmen stellen kaum ein: Mit rund 1,02 Millionen offenen Stellen lag die Arbeitskräftenachfrage im zweiten Quartal 2026 so niedrig wie seit 2016 nicht mehr – abgesehen von den Corona-Lockdowns.
Mehr Bewerbungen lösen das Problem nicht. Auf eine offene Stelle kommen im Schnitt 16 Bewerbungen, aber nur 28 % davon passen aus Sicht der Betriebe.
Kapazität geht in Stunden verloren, nicht nur in Köpfen: Vollzeitstellen sinken, die Teilzeitquote erreicht 40,3 %. Die Lücke tragen die vorhandenen Teams – 2025 mit mehr unbezahlten als bezahlten Überstunden.
Und es gibt eine Grenze, die oft übersehen wird: Das Arbeitszeitgesetz erlaubt im Durchschnitt 48 Stunden pro Woche. Zwölf unbesetzte Vollzeitstellen würden in unserem Rechenbeispiel mindestens 53 Beschäftigte ein Jahr lang an dieses Limit bringen.
ZAHLEN UND FAKTEN
✓ Die IAB-Stellenerhebung zählt für das zweite Quartal 2026 rund 1,02 Millionen offene Stellen, 11 % weniger als im Vorquartal und 3 % weniger als im Vorjahr (IAB, 3. September 2026).
✓ Auf eine offene Stelle kamen im Schnitt 16 Bewerbungen, 2022 waren es neun; nur 28 % waren aus betrieblicher Sicht geeignet (IAB-Forum, Befragung von 8.529 Arbeitgebern).
✓ Die Bundesagentur für Arbeit meldete im September 2026 2,994 Millionen Arbeitslose und eine Quote von 6,4 % – 40.000 Arbeitslose mehr als im Vorjahr.
✓ Die Teilzeitquote erreichte im zweiten Quartal 2026 mit 40,3 % einen Höchstwert, die Vollzeitbeschäftigung sank um 0,9 % (IAB-Arbeitszeitrechnung).
✓ Beschäftigte leisteten 2025 im Schnitt 15,6 unbezahlte und 11,6 bezahlte Überstunden (IAB-Arbeitszeitrechnung, 3. März 2026).
✓ Der Krankenstand lag im ersten Halbjahr 2026 bei 5,3 %; an jedem Tag waren 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben (DAK-Gesundheit, 20. Juli 2026).
✓ Nach § 3 Arbeitszeitgesetz darf die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten; bis zu zehn Stunden sind möglich, wenn im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.