Meistens ist es nur ein Sprichwort, doch in Branchen wie Einzelhandel oder Produktion die alltägliche Realität und Grundlage für betrieblichen Erfolg. Jedes verspätete Einstempeln, jede verlängerte Pause oder jeder kurzfristige Schichtwechsel können Auswirkungen auf die Produktivität, Compliance und die Arbeitsmoral haben. Dennoch verlassen sich viele Unternehmen immer noch auf veraltete und ineffektive Zeiterfassungssysteme – ist die Zeit doch mittlerweile reif, sie neu zu denken.

Arbeitszeiterfassung ist kein starrer Kontrollmechanismus

Der erste Schritt besteht darin, Zeiterfassung nicht als starren Kontrollmechanismus, sondern als strategisches Instrument zur Verbesserung des Wohlbefindens der Mitarbeiter*innen zu betrachten. Eigentlich ist die Arbeitszeiterfassung in Deutschland schon seit 2019 verpflichtend, hatte seinerzeit doch der Europäische Gerichtshof (EuGH) ein entsprechendes Urteil verkündet, dass alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) anhält, im eigenen Parlament ein Gesetz zur Arbeitszeiterfassung zu verabschieden. In vielen Ländern ist dies längst geschehen. Italien, Portugal oder Dänemark adaptierten bestehende Gesetze lediglich entsprechend den neuen Vorgaben. 

In Deutschland braucht es stattdessen ein komplett neues Gesetz – und dieses lässt auch sechs Jahre nach dem Urteil aus Luxemburg nach wie vor auf sich warten. Im Jahr 2022 beschloss der Bundesgerichtshof (BGH) eine Arbeitszeiterfassungspflicht, die Unternehmen verpflichtet, die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten zu dokumentieren. Wie das geschieht, ist egal, und kontrolliert wird es (so gut wie) nie. Und so liegt der Ball unverändert bei der Bundesregierung. Die Ampel hatte vor zwei Jahren einen ersten Gesetzentwurf zur elektronischen Arbeitszeiterfassung präsentiert. Seitdem läuft dessen Überarbeitung. Doch angesichts der Tatsache, dass man seitdem kaum noch etwas dazu gehört hat, könnte auch die Vermutung aufkommen, dass er derzeit einfach in irgendwelchen Berliner Schreibtischschubladen verstaubt. Es bleibt abzuwarten, ob mit der zukünftigen Regierung wieder Bewegung in die Sache kommt. 

Loyalität dank Zeiterfassung

Eine der größten Herausforderungen für die Belegschaft in Branchen mit Schichtarbeit ist die hohe Fluktuation. Bedenkt man, dass die Neubesetzung von Stellen immer wieder aufs Neue Kosten im vierstelligen Bereich verursacht, wird deutlich, dass eine schlechte Mitarbeiter*innenbindung sich direkt in der Kasse bemerkbar macht. Insbesondere Mitarbeiter*innen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, übermäßigen Überstunden oder unfairen Anwesenheitsregelungen schauen sich aus diesen Gründen nicht selten nach Alternativen um. In der Praxis bedeutet das: Klare, vorhersehbare Schichtpläne reduzieren Unsicherheit und Stress. Self-Service-Optionen für Schichttausch und Urlaubsanträge geben den Mitarbeiter*innen mehr Kontrolle über die eigene Arbeitszeit. 

Darüber hinaus geben Zeiterfassungstools Aufschluss über die Arbeitsbelastung der einzelnen Beschäftigten, sodass diese gezielt ausgesteuert werden kann. Diese Informationen ermöglichen einen offenen Dialog, um Planungsprobleme zu lösen. Wenn Mitarbeiter*innen sich wertgeschätzt fühlen und über ihre Arbeitszeiten mitbestimmen können, bleiben sie dem Unternehmen eher treu. Dies senkt die Einstellungs- und Schulungskosten und steigert gleichzeitig die allgemeine Arbeitsmoral.

Wohlbefinden ist unverhandelbar

Eine Überstundenwelle ist – wenig überraschend – alles andere als förderlich für die Produktivität und Arbeitsqualität der Mitarbeiter*innen. Stress, Angstzustände und schlussendlich Burnout können die weitreichenden Folgen eines mangelhaften Wohlbefindens am Arbeitsplatz sein. Traditionell wurden Zeiterfassungsrichtlinien mit Mikromanagement am Arbeitsplatz in Verbindung gebracht. 

Modernes Anwesenheitsmanagement zielt jedoch auf die Unterstützung der Mitarbeiter*innen ab, nicht auf deren Überwachung. Eine intelligente Arbeitszeiterfassung kann das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen fördern und gleichzeitig die betriebliche Effizienz sichern. Flexible Arbeitszeitmodelle wie komprimierte Arbeitswochen oder flexible Schichten sind hierfür unerlässlich. Faire Anwesenheitsregelungen unterstützen Arbeitnehmer*innen, die aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen ausfallen. Mitarbeiter*innen, die sich bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben unterstützt fühlen, sind engagierter, gesünder und letztlich produktiver. Eine Belegschaft, die sich ausgeruht und wertgeschätzt fühlt, trägt deutlich zum langfristigen Unternehmenserfolg bei.

Ist der Ruf erst ruiniert, …

In einer von sozialen Medien geprägten Welt können Marke und Ruf eines Unternehmens durch den Umgang mit seinen Mitarbeiter*innen sowohl gestärkt als auch zerstört werden. Fällt ein Arbeitgeber durch arbeitnehmer*innen-unfreundliche Praktiken wie z. B. kurzfristige Dienstplanänderungen, unbezahlte Überstunden oder eine inkonsistente Richtliniendurchsetzung auf, kann dies schnell zu Unmut innerhalb der Belegschaft führen, den sie auch nach außen tragen könnte. In der Folge kann sich die Rekrutierung neuer Mitarbeiter*innen schwierig gestalten. Ein Unternehmen mit einem guten Ruf als fairer und unterstützender Arbeitgeber zieht im Gegensatz dazu nicht nur bessere Talente an, sondern baut auch eine Belegschaft auf, die stolz auf ihre Aufgaben ist, was sich direkt auf die operative Exzellenz auswirkt.

Was bringt das Arbeitszeitgesetz – wenn es denn kommt?

Die Deutschen stehen der Arbeitszeiterfassung durchaus offen gegenüber. Das neue Arbeitszeitgesetz, welches noch gar nicht existiert, soll die Bedeutung fairer und planbarer Arbeitszeiten unterstreichen. Zukunftsorientierte Unternehmen sehen  diese Änderungen eher als Chance denn als Verpflichtung. Wer sich dem Geist des Gesetzes verpflichtet fühlt, sichert nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, sondern auch bessere Geschäftsergebnisse. Stabile und planbare Arbeitszeiten bieten Arbeitnehmer*innen finanzielle Sicherheit und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Eine transparente gesetzliche Regelung zur Arbeitszeiterfassung verhindert zudem diesbezügliche rechtliche Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmer*innen- und Arbeitgeberseite. Beides fördert eine Kultur des gegenseitigen Respekts und Miteinanders.

Wann hat das Warten ein Ende?

Eine präzise Zeiterfassung liefert wertvolle Einblicke in die Belegschaft, die über die Gehaltsabrechnung hinausgehen. Unternehmen, die diese Informationen effektiv nutzen, können Fehlzeiten und Auslastung erkennen und auf diese Weise im Voraus Überlastung vermeiden. Durch die Nutzung von Zeiterfassung als Instrument zur kontinuierlichen Verbesserung können Arbeitgeber fundierte Entscheidungen treffen, die sowohl dem Unternehmen als auch der Belegschaft zugutekommen. Unternehmen, die sich auf bewährte Methoden stützen, betrachten Zeitmanagement nicht mehr als Kontrollmechanismus, sondern als Chance, einen fairen, effizienten und unterstützenden Arbeitsplatz zu schaffen. Arbeitgeber, die moderne, mitarbeiter*innen-zentrierte Methoden zur Arbeitszeiterfassung einsetzen, erzielen Verbesserungen bei Mitarbeiter*innenbindung, Engagement, Wohlbefinden und Produktivität. 

 Das deutsche Arbeitszeitgesetz ist immer noch Zukunftsmusik. Doch wenn es kommt, haben Unternehmen die Pflicht, aber auch die wertvolle Gelegenheit, die Arbeitszeiterfassung fair, flexibel und transparent zu gestalten. Bis dahin bleibt eine Pflicht, die tagtäglich umgangen wird. Es sollte schon seit Jahren anders sein.

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Written by: Isabelle Fassin
International Marketeer